Ein Business-Netzwerk wird 10 Jahre

Healthcare Frauen e.V. (HCF), ein Business-Netzwerk für weibliche Führungskräfte im Gesundheitswesen, feierte am 10.11.2017 im historischen Soho House in Berlin Mitte sein 10 jähriges Bestehen. Dynamisch wie das Netzwerk selbst, begann der Jubiläumstag mit einer Podiumsdiskussion unter der Moderation von Dunja Hayali zum brisanten Thema: Lässt sich auch mit Gesundheit Geld verdienen?

Im Anschluss läutete HCF mit der Übergabe eines Spendenschecks von 22.000 Euro an die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung (ÄGGF e.V.) einen weiteren Schwerpunkt zur Umsetzung des erklärten Ziels ein, das Gesundheitswesen mitzugestalten.

Während in der Vergangenheit die Förderung und Vernetzung von Frauen in Führungsebenen im Vordergrund stand, kommt nun die Unterstützung von Menschen, die sich am anderen Ende des Gesundheitswesens befinden, hinzu. Dass bei einem 10-jährigen Jubiläum auch gefeiert und gelacht wird, machte der Abend deutlich. Nicht unwesentlich trug hierzu die Kabarettistin Sarah Hakenberg und ein ausgezeichnetes Dinner bei, die die 150 Gäste in ausgelassener Stimmung in eine Party mit offenem Ausgang entließen.

Healthcare Frauen e.V. (HCF) wurde 2007 von engagierten Frauen in Führungspositionen gegründet, um mit einem Business-Netzwerk Managerinnen im Gesundheitswesen eine Plattform für den Austausch von Wissen und Informationen zu bieten. Heute ist HCF ein Netzwerk mit 120 weiblichen Führungskräften aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, im Sinne der Chancengleichheit mehr Frauen den Zugang in Führungspositionen zu eröffnen. Neben der engen Vernetzung und dem aktiven Austausch der Mitglieder hat HCF daher ein Mentoring Programm ins Leben gerufen, in dem bisher mehr als 50 Frauen von etablierten Mentorinnen auf ihrem Karriereweg begleitet wurden.

 

10 Jahre HCF: Zeit, den Aktionsradius zu erweitern

Gesundheit erhalten, statt Krankheit verwalten haben sich die Healthcare Frauen als zusätzliche Aufgabe gestellt. Während bisher das Augenmerk darauf lag, das Gesundheitswesen seitens Karriereunterstützung mitzugestalten, erweitert HCF nun seinen strategischen Ansatz auf die Förderung von Frauen, die sich am anderen Ende des Gesundheitswesens aktiv für die Gesunderhaltung junger Menschen einsetzen. „Die Chancengleichheit von Männern und Frauen im Gesundheitswesen war in den letzten 10 Jahren unser Fokus, die Chancengleichheit über alle Gesellschaftsschichten in punkto Gesundheitskompetenz hinweg, wird uns in der Zukunft begleiten“, brachte es die erste Vorsitzende des HCF e.V. Dr. med. Angela Liedler auf den Punkt. Um sich zukünftig sinnvoll zu engagieren, geht der HCF e.V. eine Partnerschaft mit dem gemeinnützigen Verein Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung (ÄGGF e.V.) ein. In der ÄGGF e.V. sind rund 80 Ärztinnen und neuerdings auch Ärzte überwiegend ehrenamtlich tätig, die sich für die Gesunderhaltung von Kindern, Jugendlichen, bildungsfernen jungen Müttern und Migrantinnen einsetzen, indem sie mit ihren Präventions- und Aufklärungsangeboten in Schulen, Jugendclubs und Gemeinde-Treffs gehen. Darüber hinaus engagieren sie sich in Initiativen und Gremien für Kinder-, Frauen- und Familiengesundheit.

 

Der Startschuss: HCF spendet 22.000 Euro

Im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums von HCF konnte die erste Vorsitzende Dr. med. Angela Liedler als ersten Schritt einer langfristigen Partnerschaft einen Spendenscheck in Höhe von 22.000 Euro an die Vorsitzende der ÄGGF e.V. Dr. med. Christine Klapp übergeben. Wie wichtig die Arbeit von ÄGGF von den Healthcare Frauen eingestuft wird, machte die Spendenbereitschaft der anwesenden Gäste deutlich. Neben der Summe, die die institutionellen Spender gespendet hatten*, erhöhte sich die Summe um 10.900 Euro, die während der Abendveranstaltung zusätzlich spontan gespendet wurden. „Darüber hinaus können wir mit unserem Wissen und unseren Beziehungen für die ÄGGF tätig sein“, ergänzte Liedler die Möglichkeiten des sozialen Engagements von HCF.

 

Dunja Hayali moderierte Podiumsdiskussion

Neben der Abendveranstaltung bildetet eine Podiumsdiskussion den Schwerpunkt des Jubiläumstages. Unter der Moderation der Fernsehmoderatorin Dunja Hayali diskutierten namhafte Vertreter aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens (siehe Bild) zum Thema „Lässt sich auch mit Gesundheit Geld verdienen?“. Auf die einleitende Frage von Dunja Hayali: „Warum lässt sich mit Kranken mehr Geld verdienen als mit Gesunden?“ wies Jessica Hanneken von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank darauf hin, dass es historisch bedingt sei, für Krankheit und nicht für Gesundheit zu bezahlen: "Als die Genossenschaftsbank im Gesundheitswesen wissen wir, dass das Gesundheitssystem derzeit die Behandlung vergütet und nicht den Behandlungserfolg." berichtete die Juristin. „Dass Krankheit die Gesellschaft Geld kostet ist anerkannt, Gesundheit hingegen ist meist Privatsache und oft bildungsabhängig “, machte auch Dr. med. Christine Klapp deutlich. Aus Sicht der AOK Hessen unterstützte Dr. Isabella Erb-Herrmann ein System, in dem vor allem Krankheit bezahlt wird, bedauerte aber, „dass notwendige Anreize zur Begrenzung stetig steigender Krankheitsausgaben noch zu wenig zu sehen seien.“

Podiumsdiskussion mit Moderatorin Dunja Hayali

Bild von Podiumsdiskussion von links nach rechts: Moderatorin Dunja Hayali, Dr. rer nat. Sven Jansen (Geschäftsführer der NOVENTI), Dr. Michael Flegel (Leiter Produktmarketing international von Ursapharm Arzneimittel GmbH), Dr. med. Christine Klapp (Vorstand der ÄGGF e.V.), Dr. Isabella Erb-Herrmann (Vorstandsmitglied bei der AOK Hessen), Prof. Dr. Dr. Ilona Kickbusch (Vorstandsmitglied der Careum Foundation, Zürich, Direktorin des Zentrums Globale Gesundheit des Genfer Hochschulinstituts für internationale Studien, Direktorin der kickbusch health consult und Beraterin der WHO), Jessica Hanneken (Juristin, Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG) und Lukas Loewe (Geschäftsführer VisionGesund)

Prof. Dr. Dr. Ilona Kickbusch erweiterte den Blickwinkel der Frage, indem sie darauf hinwies, dass es nicht um einen, sondern um zwei Märkte gehe, die Frage also lauten müsste: „Wo verdienen wir Geld mit Krankheit, wo mit Gesundheit?“ In diesem Zusammenhang machte sie darauf aufmerksam, dass der Gesundheitsmarkt bereits heute ein riesiger Markt ist, der immer größer wird. „Ein Viertel des Geldes im Gesundheitswesen wird im weitesten Sinne im Gesundheitsmarkt ausgegeben“, sagte Prof. Kickbusch. Dr. Sven Jansen ergänzte aus Sicht eines der führenden Gesundheitsdienstleister in Europa, der NOVENTI Group, dass heute im Gesundheitsmarkt neben dem klassischen „Krankheitsmarkt“ und dem zweiten Gesundheitsmarkt der „dritte Gesundheitsmarkt“ entsteht. „Die Patienten möchten, dass auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird und sie in ihre Therapie aktiv mit eingebunden werden. Hier bestehe noch sehr viel Bedarf „Gesundheit neu zu gestalten.“ Dass nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Betriebe verstärkt den Fokus auf Gesundheit legen und hier Geld investieren, ist aus Sicht von Lukas Loewe für alle Beteiligten sinnvoll. „Betriebe profitieren von gesunden Mitarbeitern, diese sind motiviert und leistungsfähig. Neben der Vermeidung von krankheitsbedingten Kosten wird ein sozialer und psychischer Mehrwert geschaffen, wenn Betriebe Gesundheitsprävention betreiben.“

Eng mit der Zunahme des eigenverantwortlichen Gesundheitsmarktes sind Fragen nach wirtschaftlichem Gewinn, Gesundheitskompetenz und Gesundheitsinformationen verknüpft. Dass sich der Markt von alleine regelt, hält Prof. Kickbusch für unwahrscheinlich. „In diesem Markt stecken so viel Geld und so viele Interessen, dass guter Wille nicht ausreicht, um die Einzelinteressen zu überwinden.“ Insbesondere die Lockerung des Datenschutzes hält sie für sehr kritisch. „Die Daten sind das Gold. Unsere Gesellschaft braucht hier Schutz“, so ihr Appell.

Ein bedeutsames Gegengewicht zu den oft unrealistischen Heilsversprechungen der Werbung ist nach Ansicht aller Diskutanten eine fundierte Gesundheitskompetenz, deren Aufbau bereits im Kindesalter beginnen sollte. „Kompetenz heißt handeln zu können“, konkretisierte Prof. Kickbusch. Um Handeln zu können bedarf es Informationen. Im digitalen Zeitalter werden diese vorwiegend über das Internet bezogen. „Die Patienten informieren sich online und wir als Industrie müssen kommunikativ noch in der Steinzeit leben“, bemängelte Dr. Michael Flegel die gesetzlichen Reglementierungen zur Werbung von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Damit Patienten fundierte, zeitnahe Informationen zu ihren gesundheitlichen Problemen erhalten, schlägt er die Schaffung von Internetseiten vor, über die – analog zu Anbietern von technischen Geräten - , Patienten 24 Stunden am Tag ihre Fragen von kompetenten Fachleuten beantwortet bekommen. Eine Steigerung der Gesundheitskompetenz sollte nach Loewe vor allem im realen Leben erfolgen. „Wenn Azubis die Aufschrift der Zusammensetzung von Lebensmitteln verstehen, ist dies eine Steigerung der Gesundheitskompetenz“, so der Geschäftsführer von VisionGesund.

Bei den Zuhörerinnen kam die abwechslungsreiche Podiumsdiskussion durchgehend sehr gut an. Ein Kritikpunkt war jedoch zu hören: Viele hätten sich gewünscht, einzelne Themen zu vertiefen. „Zu Daten und Datenschutz hätte ich gerne mehr gehört“, so mehrere Teilnehmerinnen.

 

Es wurde bis in die Morgenstunden gefeiert

Der Abend war reserviert für eine ausgelassene Jubiläumsfeier, in der sich die Healthcare Frauen auch selbst feierten. „Wir sind angetreten mit dem gesellschaftspolitischen Anspruch, Frauen in Führungspositionen zu bringen und dort zu stärken“, sagte HCF-Gründerin Dr. med. Vanessa Conin- Ohnsorge in ihrer Ansprache. „Heute sind wir 120 großartige Frauen. Und mit allen Frauen, die dazu kamen, kam Vielfalt und Weiterentwicklung dazu!“ Dass diese Frauen auch feiern können, machte der Abend mehr als deutlich. „Ich habe es noch nie erlebt, dass ich als Neuling so herzlich und unkompliziert aufgenommen wurde“, berichtete eine Teilnehmerin, die zum ersten Mal bei HCF war. „Ein rundum gelungener Abend mit wunderbaren Frauen“, so der Kommentar eines langjährigen Mitglieds. „Ich habe neue Frauen kennengelernt und viele gute Kontakte geknüpft“, so eine andere.

Nach einem ausgezeichneten Abendessen tanzten noch viele in ausgelassener Stimmung bis weit nach Mitternacht zu fetziger Musik.

*Der besondere Dank der Healthcare Frauen gilt den Hauptsponsoren AOK Hessen, Ursapharm Arzneimittel GmbH, der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG und der NOVENTI GmbH. Darüber hinaus bedanken wir uns bei der Agentur Selinka Schmitz, die HCF mit ehrenamtlichem Engagement und vielen guten Ideen unterstützte.

Über die Healthcare Frauen e.V.

Healthcare Frauen e.V. (HCF) ist ein Netzwerk von führenden Managerinnen im deutschsprachigen Gesundheitswesen. Die 2007 gegründete Businessplattform fördert den fachlichen, persönlichen und geschäftlichen Austausch von weiblichen Führungskräften in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens. Besonderes Anliegen ist es, den weiblichen Nachwuchs für Führungspositionen zu ermutigen und auf dem Weg dorthin zu unterstützen. Dazu dient u.a. ein Mentoring-Programm, das aufstiegswillige junge Frauen mit Hilfe erfahrener Führungspersönlichkeiten auf ihrem Karriereweg begleitet und unterstützt. Der HCF setzt mit seinen meinungsbildenden Seminaren und Vorträgen am Puls der Healthcare-Branche regelmäßig zukunftsweisende Impulse.

Ansprechpartner:

Susanne Jurasovic, Vorstand und Beiratssprecherin Marketing & PR
Tel. 0621 / 490 968 40 o. 0177 / 237 92 80, E-Mail: susanne.jurasovic@remove-this.healthcare-frauen.de